Der Dessauer« war ein Spektakel (Siegener-Zeitung am 11.04.2003)
Heeresmusikkorps 300 gastierte mit Märschen und sinfonischer
Blasmusik im Hüttenhaus
 ciu Herdorf. Mit immer wieder gern gehörten Märschen, zeitgenössischer
sinfonischer Blasmusik und coolen Big-Band-Klängen begeisterte am Mittwochabend
das Heeresmusikkorps 300 aus Koblenz im bestens besuchten Herdorfer Hüttenhaus.
Die Musiker, die seit mehr als zehn Jahren unter der Leitung von Oberstleutnant
Thomas Klinkhammer stehen, spielten zugunsten des Ambulanten Hilfezentrums
in Herdorf und für die Kindergärten des Städtchens. Eingeladen hatte der
Musikverein Dermbach.
 Das
kurzweilig gestrickte und von Oberstabsfeldwebel Norbert Schindele honorig
moderierte Programm begann mit dem Marsch der Finnländischen Reiterei. Militärmusik
schwedischer Tradition, gravitätisch schreitend im Tempo, sehr feierlich.
Strahlendes Blech, auffällige Farbigkeit im Klang der verschiedenen Register
und eine komplizierte Rhythmik zeichnete »Jubilee Overture« von Philipp
Spark, der das Stück ursprünglich für eine Brass-Band komponierte, aus.
Das Korps, in dessen Reihen derzeit mit Sebastian Bätzing (Musikverein Lyra
Brachbach) und Christoph Patt (Musikverein Dermbach) auch zwei Musiker aus
der Region zu finden sind, meisterte sämtliche Hürden dieses anspruchsvollen
Werks.
 Dann
schlug gewissermaßen die Stunde der Solisten. Mit dem Capriccio für Saxophon-Quartett
und Orchester von Warren Barker stellten sich zunächst die Saxophonisten
vor: Oberfeldwebel Christopher Buchheim (Sopran), Gefreiter Christoph Müller
(Alt), Obergefreiter Ralf Baudach (Tenor) und Hauptgefreiter Thomas Burbach
(Bariton) duellierten geradezu mit ihren Musikerkollegen, was die verspielten
Einwürfe, die melancholischen Brüche anging, und nahmen sich Zeit und Ruhe
bei den elegischen Passagen. Ein kontrastreiches Stück.
 Ein
Klassiker unter den Märschen ist »Der Dessauer«, der für die Trompeterpassage
einen ausgezeichneten Musiker braucht. Das Heeresmusikkorps präsentierte
seinen Solisten, Jürgen Bieker, in der Loge des Hüttenhauses. Der Oberfeldwebel
beeindruckte mit schönem Ton und irrsinnig schnell genommenen Fanfarenstößen.
Dazwischen Schmissiges vom Orchester und ein Immer-wieder-sich-Finden im
langgezogenen Tutti. Keine Frage: »Der Dessauer« war ein Spektakel. Mit
den stimmungsvollen Slawonischen Tänzen von Elliot Del Borgo und dem facettenreichen
Graf-Zeppelin-Marsch von Carl Teike endete der erste Programmteil – und
machte neugierig auf das, was in Abschnitt zwei kommen sollte.
 Ein
Wiederhören mit der Eurovisionsmeldodie gab es bei »Fanfare und Flourisches«
von James Curnow; der Amerikaner verpackte das alte »Te Deum« in einen neuen
Sound. Einen klasse Auftritt hatte Hauptfeldwebel Jörg Drees, der Solist
im Konzert für Klarinette und Orchester von Artie Shaw. Prima war das Duett,
das sich der Klarinettist mit dem Schlagzeuger lieferte; erstaunlich, welch
höchste Töne der Musiker aus seinem Instrument holte.
 Das
Programm widmete sich jetzt hörbar Swing und Jazz. Auch mit »Tribute to
Lionel« von Andre Waignein (versiert am Vibraphon: Obergefreiter Michael
Becker), auch mit »Glenn Miller Story« in der Bearbeitung von Heinz Dittmann,
bei dem die Saxophonisten des Korps ein bisschen Glamour in die musikalische
Show brachten. Eine Zugabe war da süße Pflicht. »Four Brothers« (im Original
für Tenorsaxophone) knüpfte an das unmittelbar Hervorgegangene an, und auf
den stürmischen Applaus des Publikums hin spielten die Heeresmusiker aus
Koblenz schließlich noch die beiden Märsche schlechthin: Radetzky-Marsch
und »Alte Kameraden«.
|